Neubau Pfarrhaus, Breitenbach

Projektwettbewerb 2. Preis

Landschaftsarchitekt: Berchtold.Lenzin Landschaftsarchitekten, Liestal

 

Haus Romuli

 

Gesamtidee

Die Kirchgemeinde Breitenbach¬Fehren-Schindelboden möchte das ehemalige Pfarrhaus rückbauen und durch ein neues Mehrfamilienhaus ersetzten.
Dem Haus sollen im Erd¬ und Obergeschoss drei 2¬–Zimmer–Wohnungen im Dachgeschoss eine 2– und eine 3–Zimmerwohung eingeschrieben werden. Optional sind zwei Wohnungen im Erdgeschoss für das Pfarreisekretariat vorzusehen.
Zusätzlich sind acht Autoeinstellplätze sowie diverse Kellerräume erwünscht.
Das Haus Romuli vermittelt als eine Transformation des ehemaligen Pfarrhauses zwischen dem Quartier und der Kirche.
Die Subtraktionen des Volumens, das plastische Gestalten, führen die Gedanken der vor 50 Jahren eingeweihten Kirche weiter und ermöglichen eine Integration in den Kontext und die Umgebung.
Auf einem Tisch über den ehemaligen Fundamenten des Pfarrhauses stehend präsentiert sich das Haus Romuli in einem Holzkleid.
Im Untergeschoss können über einen, einer Garage anmutenden, Autolift die natürlich belüfteten und ¬–belichteten Einstellplätze erreicht werden.
Die Tischplatte ist vom natürlichen Terrain abgehoben und schafft zusätzlich zu den Loggias, private besonnte Aussenbereiche. Die artifizielle Bepflanzung zieht sich bis ins Parking.
Das zentral gelegene Treppenhaus mit Lift, den Kern, ermöglicht kurze Wege und vermag unter den zukünftigen Bewohnenden zu vermitteln.

 

Gestaltung und Materialisierung

Das neue Haus erhält sein Gesicht durch den Rhythmus des Innern, der Subtraktion und durch einen zeitgenössischen Holzbau. Das Öffnungsverhalten in den Wohnungen ist punktiert und führt zu unterschiedlichen Ausblicken und Sichtbezügen. Die Raumfolgen sind fliessend. Das natürliche Licht gelangt bis hin zum Kern diesem folgen Bäder und Küchen.
Jede Wohnung verfügt über eine Loggia, welche zu unterschiedlichen Hell–Dunkel–Erlebnissen verhilft.
Die Materialisierung ist über die Anwendung von natürlichen Materialien Holz, Beton, Glas, Gips und Keramik und derer Farbpaletten gegeben. Liegt eine Möglichkeit der Veredelung vor, erfolgt sie im Hinblick der Nachhaltigkeit des Unterhalts und dem Aspekt des guten Alterns.
Mit der gewählten Materialisierung wird zusätzlich eine haptische Erlebniswelt geschaffen.

 

Schematisches Raumnutzungsangebot

Die Grundrisse folgen dem Thema des fliessenden Raumes. Die dienenden Räume, Bäder, WC’s und Küchen und die Befensterung verhelfen zu einem grosszügigen Raumempfinden.

 

Erreichung des Minergie Standards

Aufgrund der Ausrichtung, und des Öffnungsverhaltens mit tiefen Leibungen ist ein wohldefiniertes Klima gegeben. Unterstützt durch den massiven Betonkern, die Holzdecken die öffenbaren Fenster sowie dem aussenliegenden Sonnenschutz sind die Grundsteine für ein, dem Wohnen entsprechendes Raumklima mit dem geforderten Komfort gelegt. Wird zusätzlich eine Komfortlüftung gewünscht, ist diese über eine Steigzone im Kernbereich angegliedert möglich. Die Räume können somit kontrolliert be– und entlüften werden. Die im Winter zusätzlich geforderte Wärme wird über Radiatoren abgegeben.
Mit der Holzbauweise können hervorragende Wärmedämmwerte erreicht werden. Als Speicher dient der massive Betonkern und unterstützend die Massivholzdecken. Als Option liefert eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Haus Romuli einen gewissen Anteil des Verbraucherstroms.

 

Statik

Das Untergeschoss und die Einstellhalle sind als eine massive, über das Terrain ragende Betonkonstruktion mit Stützen, Wänden und einer Decke wahrzunehmen. Erd- und Obergeschosse sind in einer tragenden Massivholzbauweise an den filigranen Treppenkern aus Beton, der zur statischen Aussteifung und als energetisch aktivierbare Masse genutzt werden kann, angeschlossen.
Die Wände können als Scheibentragwerk allenfalls in Buchenholz mit aussen aufgebrachter Dämm– und Fassadenebene effizient erstellt werden. So können die Auskragungen der Loggias wirtschaftlich aus der Massivholzbauweise entwickelt und aufgefangen werden. Als Deckensystem schlagen wir aufgesplitterte Kastenelemente oder Holz–Beton–Verbunddecken vor, welche hervorragende (erhöhte) Schallschutzanforderungen erfüllen, statisch günstig wie auch sehr kosteneffizient sind.

 

Landschaft

Wohnen in einer grosszügigen, intensiv grünen Umgebung, ohne Zwang zu intensiver Gartenarbeit ist das Konzept.
Die leicht abgesetzte Bodenplatte auf Niveau EG unterscheidet sich mit einem prägnanten Gräserteppich von ihrer Umgebung:
Unterschiedliche, trockenheitsverträgliche Gräser auf einem knappen Substrataufbau besetzen vollflächig diese Ebene und vermitteln aufgrund ihrer einheitlichen Erscheinung eine Grosszügigkeit und Künstlichkeit. Es entsteht ein Wohnen inmitten des Gartens. Die EG–Wohnungen erhalten, in das Gräserfeld eingeschnittene, Sitzplätze als Erweiterung der Loggien.
Die restliche Grundstücksfläche, auf Niveau der angrenzenden Umgebung, ist geprägt von einer pflegearmen und durchgehenden Oberschicht aus Efeu, Farnen, Gräsern und vereinzelten Farbtupfer von Blütenstauden. Über die robuste Krautschicht gehend, können die Bewohner diese Schnittblumen ernten.
Um das ganze Gebäude verteilt, wirken schmalkronige Bäume als Filter zu den umgebenden Bauten und ermöglichen aus den Wohnungen in den Obergeschossen die Wahrnehmung des Gartens.
Ab der Bodenackerstrasse erfolgt die gesamte Erschliessung des Gebäudes:
Unmittelbar neben der Einfahrt in den Tiefgaragen–Lift sind 4 Besucher–Parkplätze angeordnet. Eine leicht ansteigende Rampe ermöglicht den fussläufigen Zugang zum Neubau. Seitlich daran sind in Eingangsnähe 10 Velostandplätze angeordnet.
Roh ausgebildete, steile Böschungswände vermitteln zwischen dem Umgebungsniveau und der Autoeinstellhalle. Aufgrund ihrer schattigen und temporär feuchten Standorteigenschaften, wird sich mit den Jahren eine vertikale Spontanbegrünung ergeben und somit auch in der AEH für eine spezielle Stimmung führen.